52:1 pro Saisonabbruch

Datum: 25.03.2021

 

Vereine des Kreises Büdingen sprechen sich für vorzeitiges Ende der Runde aus / Auf- und Absteiger ausgeschlossen

 

Die offizielle Entscheidung des Hessischen Fußball-Verbandes steht zwar noch aus, an eine Fortsetzung der aktuell wegen der Corona-Pandemie unterbrochenen Saison glaubt aber im Fußballkreis Büdingen niemand mehr so recht. Das Infektionsgeschehen ist zu ernst, das Zeitfenster, um seriös landauf, landab die Abwicklung der Vorrunde zu gewährleisten, erscheint mittlerweile viel zu knapp.

 

„Wir haben jetzt fast ein halbes Jahr pausiert, ich bezweifle, ob da drei bis vier Wochen Vorbereitungszeit überhaupt ausreichen, damit die Mannschaften wieder spielfähig werden“, sagte Büdingens Kreisfußballwart Jörg Hinterseher (Hainchen) zu Beginn der knapp zweieinhalbstündigen Videokonferenz der Büdinger Fußballvereine. Obwohl die Tendenz zum Abbruch und der Annullierung sich bereits in den vergangenen Tagen wegen der jüngsten Pandemieentwicklung abzeichnete und auch bereits klare Voten pro Annullierung aus Konferenzen anderer Fußballkreise medial die Runde machten, war die Resonanz auf die von Kreisfußballausschuss einberufene Videokonferenz immens. In der Spitze waren über 60 Personen zugeschaltet, unter ihnen auch HFV-Vereinsservice-Assistent Ullrich Trumpfheller und der hauptamtliche Leiter des HFV-Ressorts Spielbetriebs, Walter Sitorius.

 

Hinterseher stellte vor der Abstimmung – zur Wahl standen der Abbruch ohne Wertung oder aber der Abschluss der Vorrunde mit Wertung – deutlich heraus, dass eine Annullierung nur die bisherigen Punktspiele betreffen würde. Das Ergebnis war eindeutig: Nach Auswertung der zum Teil auch schriftlich bei ihm eingegangen Meinungen präsentierte Hinterseher ein klares 52:1-Ergebnis pro Saisonabbruch. Dieses wird der Kreisfußballwart dem Verbandsvorstand nun präsentieren, alles andere als eine analoge Entscheidung des Verbandsvorstands wäre am kommenden Samstag aufgrund der vorliegenden Fakten eine faustdicke Überraschung.

 

Auf- und Absteiger würde es bei einem Abbruch keine geben, jeder Verein hätte das Anrecht in der gleichen Liga wie im Sommer 2020 zu starten. Sollte die Pandemielage es zulassen, könnten Kreis- und Hessenpokal womöglich noch zu Ende gespielt werden. Auch ein Ligapokal sei möglich, natürlich auf freiwilliger Basis. Hinterseher und Kreiskassenwart Holger Naumann ließen durchblicken, dass ein solcher Wettbewerb mit Sponsorenunterstützung beziehungsweise dem Zugriff auf finanzielle Rücklagen auch für die Vereine mit Startgeldern und Preisen attraktiv gestaltet werden können. Das Interesse der Vereinsvertreter an einem solchen Wettbewerb war überwiegend positiv, wenngleich auch zurückhaltende Meinungen aufkamen. Torsten Hau vom SV Blau-Weiß Schotten etwa befürchtet, dass womöglich das gesamte Jahr 2021 den Sport stark einschränken könnte. „Ich mache mir für die anstehende Runde große Sorgen“, blies Nico Lämmchen von der SG Usenborn/Bergheim ins gleiche Horn. Dass alle Beteiligten möglichst schnell wieder auf den Platz wollen, steht außer Frage, doch die Realität sieht momentan anders aus. „Die Rahmenbedingungen stimmen zurzeit einfach nicht“, brachte es Thomas Haas, der Vorsitzende der Sportfreunde Oberau, auf den Punkt. Der Gruppenligist habe wie andere Vereine auch zumindest im Juniorenbereich für die unter 15-Jährigen mit dem Training begonnen – vielleicht ein erster Silberstreif am Horizont.

 

„Auch die schon etwas älteren Fußballer wollen irgendwann wieder kicken, man wird ja nicht jünger“

 

Zurück zu den Senioren: Marco Strauch, der Vorsitzende des KSV Eschenrod nannte die Annullierung alternativlos – und viele andere Vereinsvertreter stimmten ihm zu. „Die fußballfreie Zeit nervt“, betonte der erste Vorsitzende des SV Seemental, Alexander Hein. „Auch die schon etwas älteren Fußballer wollen irgendwann wieder kicken, man wird ja nicht jünger“, schmunzelte er. Kritisch werden auch Spiele unter einem möglichen Zuschauerausschluss angesehen. „Das funktioniert im Amateurbereich gar nicht“, findet der Vorsitzende des FC Alemannia Gedern, Kai Grüning.

 

Das Urgestein der SG Steinberg/Glashütten, Martin Faust, würzte die lebhafte Diskussion mit Optimismus: „Wenn die Impfungen vorangehen, wird die Pandemie bald auch das Fußballspielen wieder zulassen“, denkt er. Einige Vereinsvertreter, unter ihnen Jürgen Schmidt von der FSG Ober-Schmitten/Eichelsdorf, fürchten mittelfristig finanzielle Einschnitte im Bereich der Sponsorengelder. Gleichsam wurde angeregt, dass auch die Sportverbände hinsichtlich der Beitragszahlungen der Vereine eine kulante Haltung einnehmen könnten, um an dieser Stelle für Entlastung zu sorgen. Schließlich, dieses Argument fiel mehrfach, laufen in den Vereinen Fixkosten weiter auf, ohne die Möglichkeit, Einnahmen zum Gegenrechnen zu akquirieren. Nicht jeder Verein findet sich derweil mit Tatenlosigkeit ab. So erzählte Marco Strauch, dass sein KSV Eschenrod mit Unterstützung eines dem Verein nahestehenden Caterers schon einige Male Essenslieferungen für Mitglieder und Anhänger angeboten habe, um so ein paar Euro in die Vereinskasse zu spülen. Andere Vereine nutzten die spielfreie Zeit für anstehende Renovierungsarbeiten in ihren Sportheimen.

 

Jörg Hinterseher versprach, die Anregungen aus der Videokonferenz im Verbandsvorstand einbringen zu wollen. Einen interessanten Vorstoß wagte der erfahrene Vereinsfunktionär Willi Bornträger vom 1. FC Lorbach: „Wir müssen zusehen, dass wir zumindest die nächste Runde beenden. Ich wäre für einen früheren Start der nächsten Saison bereits im Juli und rege auch an, die Thematik mit Spielausfällen wegen Corona-Verdachtsfällen zu überdenken.“ Bornträger findet, dass bei aufkommenden Symptomen womöglich Schnelltests ein probates Mittel sein könnten und plädierte für ein stringenteres Durchziehen des Spielplans mit weniger Spielabsagen.


Quelle: Kreis-Anzeiger vom 25.03.2021


Klares Votum im Kreis Büdingen

Datum: 24.03.2021

 

Vereine tendieren zur Annullierung der Saison / Andere Regionen sind ebenfalls für Runden-Abbruch.

 

Der Abbruch der Amateurfußballsaison 2020/21 in Hessen rückt immer näher. Während beispielsweise der Hamburger Fußball-Verband und Schleswig-Holstein bereits die Reißleine gezogen haben, hat der Verband in Sachsen-Anhalt dies zumindest teilweise getan. Dort wird auf Landesebene nicht mehr der Ball rollen, auf Kreisebene bleibt die Zuständigkeit bei den örtlichen Verbänden. Ein solch gespaltenes Szenario strebt der Hessische Fußball-Verband nicht an, hier soll eine allgemeingültige Lösung gefunden werden. Zu diesem Zweck läuft eine Umfrage in den 32 Fußballkreisen, die bereits weit fortgeschritten ist – und bereits ein klares Votum erkennen lässt: Die Mehrzahl der Vereine plädiert – auch angesichts der derzeitigen Pandemieentwicklung – für einen Abbruch der Spielzeit 2020/21, deren bislang gespielte Partien allesamt annulliert werden sollen.

Die Hoffnungen auf eine Fortsetzung der aktuell unterbrochenen Amateurfußballsaison schwinden nach den politischen Beschlüssen vom Dienstag auch im heimischen Beritt weiter. Bei der virtuellen Kreiskonferenz des Fußballkreises Büdingen sprachen sich gestern Abend die zugeschalteten Kreisvertreter mit 40:1-Stimmen mehrheitlich für eine Annullierung der Spielzeit 2020/21 aus, nach der es keine Wertung mit Auf- und Absteigern geben wird (ausführlicher Bericht folgt).

Am Montagabend sprachen sich die Vereine in den Fußballkreisen Gelnhausen und Biedenkopf einstimmig für einen Abbruch ohne Wertung aus. Eine Gegenstimme gab es im Kreis Dieburg (24:1). Im Kreis Schlüchtern waren drei Viertel der Vereine für eine Annullierung. „Es hat im Prinzip keiner unserer Vereine dafür votiert, die Runde fortzusetzen“, erklärte Erhard Zink, Kreisfußballwart von Lauterbach-Hünfeld. Das Votum im Kreis Dillenburg war ebenfalls eindeutig. Genauso endete die Befragung in Gießen (Region Gießen/Marburg), das einen kreisübergreifenden Spielbetrieb auf Kreisebene mit Alsfeld hat. Hier waren angesichts der Vielzahl an Vereinen gleich drei Videokonferenzen nötig. Kreisfußballwart Henry Mohr notierte am Ende, dass 50 Klubs für einen Abbruch mit Annullierung votierten, nur fünf Vereine waren für die Weiterführung, um die Hinrunde mit Wertung bis zum 30. Juni abzuschließen. Für Mohr ist dieses klare Votum „auch ein Auftrag an den Hessischen Fußball-Verband, in der neuen Saison auf alternative Spielmodelle zu setzen“. Im Fußballkreis Limburg-Weilburg gaben von 85 Klubs 68 ihre Meinung ab, 54 votierten für einen Abbruch, 14 entschieden sich für eine Fortsetzung der Saison, um die Hinrunde bis zum 30. Juni abzuschließen, damit die Tabelle mit Auf- und Absteiger gewertet werden kann.

Marburgs Kreisfußballwart Peter Schmidt hat laut Oberhessischer Presse auf eine E-Mail an alle Vereine gut ein Dutzend Rückmeldungen bekommen, Die überwiegende Zahl der Vereinsvertreter habe sich dabei für den „klaren Schnitt“, wie er es nennt, also den Abbruch, ausgesprochen. Ob zudem eine Kreiskonferenz stattfindet, sei noch offen. In den Fußballkreisen Alsfeld, Hanau und Hochtaunus wird das Meinungsbild der Vereine an diesem Mittwochabend eingeholt. Bis Freitag soll dem Präsidium des Hessischen Fußballverbandes ein Meinungsbild aus allen 32 Fußballkreisen vorliegen. Am Samstag trifft dann der Verbandsvorstand eine Entscheidung. 


Quelle: Kreis-Anzeiger vom 24.03.2021